Die Gutshauszeit

Ein landwirtschaftlich und soziales Großprojekt

Als nach der Reformation das Kloster Chorin 1542 aufgelöst wurde, kam das Gut Pehlitz in den  Besitz des Staates und wurde als Vorwerk des Domänenamtes Chorin verwaltet. Von dort aus  wurde es an verschiedene Besitzer verpachtet. Das waren auch keine Bauern aus dem Dorf, sondern landwirtschaftliche Unternehmer aus dem weiteren Umkreis.


1831 musste das Gut verkauft werden, weil die Wirtschaftsgebäude sich in einem desolaten Zustand befanden. Die damalige Pächterin, Christine Degen, kaufte das Gut Pehlitz für 24.070  Taler. Als Quelle für das Baumaterial für die neu zu errichtenden Gebäude dienten ihrem Mann, dem Oberamtmann Degen, unter anderem die jungsteinzeitlichen Gräber auf dem Koppelsberg und die Klosterruine Mariensee. Aus heutiger Sicht frevelhaft – aber damals herrschten andere Prioritäten... Außerdem konnte die Ackerfläche vergrößert werden. Auf der so entstandenen Scheune findet sich die Jahreszahl 1854 neben einigen handschriftlichen Einritzungen der damaligen Knechte.


Das Gut blieb weiter ein in sich geschlossener Betriebsorganismus mit bis vor dem 2. Weltkrieg 345 ha Äckern, Wiesen, Wald, Seen und Ödland, sowie 36 Pferden und 75 Kühen, die im Stall  standen und den Mist für den großen Betrieb lieferten, außerdem 30 Schweinen, 60 Rouen-Enten und 200 Hühnern. Neun Gespannführer waren für ihr jeweils vier Pferde starkes Gespann  verantwortlich. Das gesamte Gut wurde bis zum 2. Weltkrieg ausschließlich mit Pferden  bewirtschaftet, was für Tier und Mensch bei dem schweren und kuppigen Boden sehr anstrengend war.

 

Außerdem wohnten in den insgesamt 19 Gutswohnungen die „Schweizer“, die für die Kühe verantwortlich waren, ein Nachtwächter, ein Stellmacher und weitere neun Deputanten mit ihren Familien. Alle waren sie Deputanten, das heißt, sie bekamen neben freier Wohnung mit Garten Naturalien ausbezahlt:
Täglich 1 l Milch, ca. 10 kg Kartoffeln, 1,5 kg Brotgetreide. 1 kg Futtergetreide, 7,5 kg Briketts oder Holz vom gleichen Brennwert. Außerdem ein Viertel Morgen gedüngtes Frühkartoffelland und die Erlaubnis, Schweine und Kleinvieh zu halten, aber keine Gänse, weil die von verschiedenen Familien nicht genügend beaufsichtigt wurden und so großen Schaden anrichteten. Jede Familie musste 1–2 Kostgänger stellen, die ein zusätzliches Deputat bekamen. Für die Arbeit gab es  außerdem einen Stundenlohn, nach Alter ab 14 Jahren gestaffelt, für Frauen ca. 10 % weniger. Für  die Gespannführer gab es Zuschläge, auch für die Schweizer, je nach gemolkener  Milchmenge. Geerntet wurden Getreide, Futterrüben und Zuckerrüben, die alle mit den Pferden nach Chorin zum Bahnhof gefahren wurden. Auch Steine wurden auf diesem Wege verkauft.

 

Obwohl das Gut Pehlitz also „steinreich“ war, musste es 1923 zwangsversteigert werden und  gelangte in den Besitz des Bauern Martin Knaak sen., der es bis Kriegsende 1945 bewirtschaftete. Durch seine Abschlussarbeit an der Landwirtschaftsschule Oranienburg haben wir genaue Zahlen über das Gut. Auf dem von der Familie Degen angelegten Gutsfriedhof liegt auch er begraben. Sein Sohn Martin Knaak jun. war zur Wehrmacht eingezogen worden und in Rumänien gefallen.


Der Gutshauszeit verdanken wir unsere heutigen Gebäude mit den dicken Feldsteinmauern und  dem gewaltigen Dachstuhl, den Gutsfriedhof und – die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch den großen Viehbestand.